Wege aus dem Dornröschenschlaf: Wie Digitalisierung im Mittelstand gelingen kann

In den Medien wurde in den letzten Monaten diskutiert, ob der deutsche Mittelstand die Digitalisierung verschläft. Einige Autoren waren der festen Überzeugung, dass dem so ist; andere fanden Argumente dafür, dass es so schlimm doch nicht sei.

Unsere Erfahrung mit dem Thema ist: Gerade im kleineren Mittelstand ist bezüglich der Digitalisierung noch deutlich Luft nach oben. Vor allem Unternehmen, die in den letzten Jahren stark gewachsen sind und/oder eher regional tätig sind, sind in Sachen Digitalisierung noch nicht hinreichend aktiv.

Bei dieser Aussage denken wir vor allem an Unternehmen folgenden Typs:

Das Unternehmen kann man dem kleineren Mittelstand zuordnen, die Mitarbeiterzahl liegt bei unter 100 Mitarbeitern. Der Marktauftritt ist ambitioniert. Das Unternehmen ist inhabergeführt, manchmal schon in zweiter oder dritter Generation. Die Firma ist in der Region bekannt, hat einen exzellenten Ruf und ist ganz klar auf Wachstumskurs. Typisch für dieses Unternehmen ist aber auch ein geringer Organisationsgrad. Dieser kommt vor allem daher, dass die Qualität der Leistungen jahrelang so gut war, dass sie sich fast mühelos verkaufen ließen. So wurde in den letzten Jahren die Kapazität stark hochgefahren und Mitarbeiter eingestellt. Im Laufe der Zeit wurde die operative Last der Leistungserstellung allerdings immer erdrückender: Das Unternehmen ist von seinem eigenen Erfolg regelrecht überrollt worden. Kaum ein Entscheider im Unternehmen hatte Zeit, sich strukturell um Abläufe,  Qualität und Mitarbeiterentwicklung zu kümmern, von strategischen Überlegungen ganz zu schweigen. So ist der Organisationsgrad erschreckend gering. Abläufe sind selten definiert, die Aufbauorganisation ist nicht klar, gerade die internen Bereiche sind eher hemdsärmelig organisiert, die Mitarbeiter und Chefs sind am Limit. Die IT ist häufig veraltet, durch Branchenlösungen gekennzeichnet und Medienbrüche sind an der Tagesordnung. Eine Prozessbetrachtung gibt es nicht.

Unsere Kunden, die sich in der beschriebenen Situation befinden, empfinden trotz bester Auftragslage ein zunehmendes Unbehagen über den Zustand ihres Unternehmens. Paradox? Der „Laden brummt“, aber es kostet immer mehr Mühe, die Qualität zu halten.  Gleichzeitig ist es für viele schwierig, bei dem operativen Druck den richtigen Ansatzpunkt für strukturelle Überlegungen zu finden. In den letzten Monaten wurden unsere Kunden zunehmend von Vertrieblern angegangen, die ihnen „die“ Digitalisierungslösung verkaufen wollen und die in dem Zusammenhang viel versprechen. In diesem Kontext ist es verständlich, erstmal abzuwarten. Inkrementale Entscheidungen, das heißt, das „Sich-Durchwursteln“ (Lindblom) ist nachvollziehbar, für die Unternehmensentwicklung aber nicht ideal, da gute Planungsalternativen gar nicht erst diskutiert werden. Viel besser wäre es, sich im überschaubaren Umfang Zeit für eine Digitalisierungsstrategie zu nehmen.

Wir empfehlen dem kleineren Mittelstand folgende Vorgehensweise für strukturelle organisatorische Verbesserungen und für eine Digitalisierungsstrategie:

  • Erkennen, wo Sie auf die Digitalisierung vorbereitet sind – und wo noch nicht
  • Planen, wie Sie die Digitalisierung gezielt und strukturiert angehen gehen, individuell und unternehmensspezifisch
  • Entscheiden, welche betrieblichen Bereiche digitalisiert werden: Wo ist es sinnvoll und wirtschaftlich oder strategisch notwendig?
  • Umsetzen, indem Kernprozesse so modelliert werden, dass sie digitalisiert werden können.

Wir sind der festen Überzeugung, dass es bei der Digitalisierung für den Mittelstand nicht bzw. nicht in einem ersten Schritt darum geht, neue Soft- oder Hardware zu kaufen oder RFID-Chips auf die Maschinen zu kleben. Vielmehr geht es darum, die Prozesse anzuschauen und gemeinsam mit Unternehmensführung und Mitarbeitern zu überlegen, wo Digitalisierung zielgerichtet eingesetzt werden sollte und wo sie den meisten Nutzen bringen kann.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert mittelständische Unternehmen bei Vorliegen der Förderkriterien mit 50% Zuschuss bei der Digitalisierung ihrer Prozesse: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Digitale-Welt/foerderprogramm-go-digital.html

Wir sind für dieses Förderprogramm autorisiert. Schon mit einem Projektvolumen von 12 Tagen können Sie mit uns den ersten Schritt gehen. www.reinberatung.de

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ADornroschen_(2).jpg
By Leutemann or Offterdinger, photo by Harke [Public domain], via Wikimedia Commons from Wikimedia Commons

 

 

Autor: Sabine Rein

Sabine Rein ist Geschäftsführende Gesellschafterin der Rein Unternehmensberatung. Nach 12 Jahren in der internationalen Unternehmensberatung Accenture berät sie jetzt kleine und mittelständische Unternehmen in Fragen von Strategie, Digitalisierung und Organisation. Sie ist außerdem Professorin für BWL-Dienstleistungsmanagement an der Hochschule für Technik Stuttgart. Mehr unter http://www.reinberatung.com/#wir

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