China nimmt „Industrie 4.0“ als Vorbild für „Made in China 2025“ – oder weshalb der deutsche Mittelstand ein Interesse daran haben sollte, zu verstehen, wie China tickt.

Der Satz „Ein Haushaltsgerät, das nicht mit dem Internet kommunizieren kann, sollte es nicht geben.“ Stammt von Zhang Ruimin, dem CEO von Haier. Haier ist ein chinesischer Haushaltsgerätehersteller mit Sitz in der ostchinesischen Küstenstadt Qingdao.  Dass der Name Haier ein wenig nach einer deutschen Marke klingt, ist auf die jahrelange Kooperation in den Achtzigerjahren mit Liebherr zurückzuführen, aus Liebherr wurde Libohaier. Nachdem die Kooperation beendet worden war, behielt die Firma den Namen Haier. Heute ist Haier ein Weltkonzern und nach Lenovo die wohl bekannteste chinesische Marke. Haier ist mit 10,3 Prozent (2016) Marktanteil Weltmarktführer bei Haushaltsgeräten. Zhang Ruimin, der eingangs zitierte CEO von Haier, ist Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas.

Das Beispiel zeigt, dass chinesische Unternehmen in der Lage sind, sich von der verlängerten Werkbank wegzuentwickeln und Führerschaft zu übernehmen. Das Beispiel zeigt auch, dass der chinesische Staat und viele Unternehmen strategisch denken. Gerade die staatliche Lenkung, unbeeinflusst von nennenswerter Opposition, macht China zu einem ernstzunehmenden Player. Man mag das als Demokrat bedenklich finden, das ändert aber nichts an der Realität.

In Deutschland hingegen kann man den Eindruck haben, dass wir operativ zu ertrinken drohen. Wir haben bei boomender Wirtschaft kaum Luft, um uns im Mittelstand mit strategischeren Fragestellungen zu befassen: Beispielsweise die durch die Politik angemahnte Digitalisierung stört uns eher beim Umsatzmachen. Wie weit weg ist erst, sich mit dem zu beschäftigen, was gerade in China geschieht? Dass China seelenruhig und unbeirrt den Masterplan „Made in China 2025“ umsetzt, interessiert gerade den kleineren Mittelstand so, als würde der sprichwörtliche Sack Reis in China umkippen. Dabei sollten wir uns interessieren: Zum einen war die deutsche Initiative „Industrie 4.0“ Vorbild für den Plan „Made in China 2025“. Zum anderen ist das Ziel von „Made in China 2025“,  dass China zu seinem 100. Geburtstag, also im Jahre 2049, die führende Industrienation der Welt sein soll. Das erklärte Ziel ist also, die Wirtschaft weg von der Massenproduktion hin zur Innovationsführerschaft zu entwickeln.

China beobachtet Deutschland genau. Deutsche Marken, deren Qualität sowie die deutsche Ingenieurkunst werden fast ehrfürchtig als Vorbild gesehen.  Die Chinesen schauen genau auf Deutschland und überlegen, worin sie uns voraus sind, in welchen Punkten wir die Vorherrschaft haben und wie sie uns einholen oder besser noch überholen können.

Beobachtet der deutsche Mittelstand, Rückgrat der deutschen Wirtschaft, chinesische Unternehmen auch genau? Oder sind wir uns selbst genug, wissend, dass wir fachlich und qualitativ exzellent sind, umsatz- und gewinnverwöhnt? Gerade der kleinere Mittelstand in Deutschland ignoriert weitgehend die Bedeutung, die China für uns alle in nicht allzu ferner Zukunft einnehmen wird. Je nachdem, wie alt man ist, kann einem das natürlich auch egal sein, Motto: „nach mir die Sintflut“.

Bildquelle: By Deutsche Bundespost (scanned by NobbiP) [Public domain], via Wikimedia Commons

Autor: Sabine Rein

Sabine Rein ist Geschäftsführende Gesellschafterin der Rein Unternehmensberatung. Nach 12 Jahren in der internationalen Unternehmensberatung Accenture berät sie jetzt kleine und mittelständische Unternehmen in Fragen von Strategie, Digitalisierung und Organisation. Sie ist außerdem Professorin für BWL-Dienstleistungsmanagement an der Hochschule für Technik Stuttgart. Mehr unter http://www.reinberatung.com/#wir

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