Angst vor China? Wieso Sie als Mittelständler den Kopf nicht in den Sand stecken sollten.

Neues Gesetz: „Berlin stoppt chinesische Invasoren“ – so titelte die Welt reißerisch. Das prominenteste mittelständische Unternehmen, das in den letzten Jahren durch chinesische Investoren übernommen wurde, war sicherlich der Roboterhersteller Kuka. Der Begriff „Invasoren“ zeigt das Unbehagen, das in weiten Teilen der deutschen Politik und auch der Bevölkerung wächst. Ziel der chinesischen Zentralregierung ist es, z.B. im Rahmen des langfristigen Entwicklungsplans „Made in China 2025“, Teile der Wertschöpfungskette nach China zu verlagern – was liegt für die Chinesen näher, als Schlüsseltechnologien oder renommierte Marken aufzukaufen. Man braucht gar nicht auf Daimler und den „überraschenden Einstieg des chinesischen Autokonzerns Geely bei Daimler“ zu zeigen – die Veränderung der Märkte wird auch den kleineren deutschen Mittelstand betreffen. Fast wöchentlich sind Meldungen zur Übernahme mittelständischer Unternehmen durch chinesische Investoren den Medien zu entnehmen – gerade heute wurde vermeldet, dass Rolf Benz, der schwäbische Luxus-Möbelhersteller, „chinesisch wird“ .

Während wir in Deutschland seit Monaten um eine neue Bundesregierung ringen, gleichzeitig die Wirtschaft brummt und wir im Mittelstand wirklich stark mit dem Umsatzmachen beschäftigt sind, arbeitet die chinesische Zentralregierung daran – planvoll und weit entfernt von nennenswerten innenpolitischen Widerständen – die Weltwirtschaft neu zu ordnen.

Der kleinere deutsche Mittelstand steckt seinen Kopf in Bezug auf China immer noch in den Sand und möchte mit dem Thema möglichst nichts zu tun haben. Zu tief sitzen Geschichten von Unternehmern der 1990er und frühen 2000er Jahre: Fälscher, Betrüger, Überwacher. Nicht zu vergessen: Schwierigkeiten, die deutschen Unternehmen von staatlicher Seite auf dem chinesischen Markt gemacht werden, Menschenrechtsverletzungen, Diktatur.

Wieso Sie trotz allem den Kopf in Bezug auf China nicht in den Sand stecken sollten:

Das Land mit derzeit 1,379 Milliarden Einwohnern ist und wird noch viel mehr ein riesiger Wirtschaftsraum werden. Der chinesische Mittelstand ist erst im Entstehen, dessen Konsuminteressen sind überhaupt noch nicht annähernd befriedigt: Die Standards an Wohnen, Einrichtung und Design sind beispielsweise überhaupt nicht mit Deutschland vergleichbar, die Ansprüche steigen: Hier entsteht ein Riesenmarkt für Küchenbauer, Schreiner und Smart-Home-Lösungen.  Gleichzeitig wächst das Unbehagen gerade wohlhabender Chinesen mit der Umweltsituation, zum Beispiel mit allen Chancen für Lösungen von Dach- und Balkonbegrünungen. Märkte, die von deutschen Mittelständlern bislang weitgehend ausgeblendet werden.

Wenn man es schafft, die größten Berührungsängste zu überwinden, ergeben sich auch Marktchancen hier in Deutschland. Ein Anknüpfungspunkt ist beispielsweise die Wiederbelebung der chinesischen Seidenstraße,  auch als größtes Entwicklungsprogramm seit dem Marshallplan bezeichnet. Die neue Seidenstraße endet in Duisburg und eröffnet Möglichkeiten für Handel und Logistik. Auch im klassischen Dienstleistungsbereich werden wir den Wandel kurzfristig bemerken und können Marktchancen nutzen: Steuerberater und Rechtsanwälte werden zunehmend damit konfrontiert werden, dass ihre Mandanten Geschäftsbeziehungen zu China unterhalten – mit China oder mit Chinesen in Deutschland. Ärzte werden durch zahlungskräftigen Patienten  aus dem Reich der Mitte angefragt werden- Beispiele sind Kieferorthopädie, Behandlungen für Zivilisationskrankheiten, die es bislang in China so nicht gab und die aufgrund der Übernahme westlicher Lebensgewohnheiten zunehmen werden. IT-Dienstleister werden sich zunehmend mit dem Thema Datensicherheit befassen müssen, um die Daten ihrer Kunden gegen Angriffe von außen abzusichern. Ganz zu schweigen von Chancen in Gastronomie und Tourismus.

Die Welt dreht sich also weiter. Mit uns oder ohne uns. Sie waren selbst noch nie in China? Hier ist die Gelegenheit für ein erstes Kennenlernen von Land und Leuten: www.reinberatung.de/china

 


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